Ernährung Diabetikerhunde

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Teil 2, allgemeine Ernährungsvorschläge für Diabetikerhunde.

Zuordnung nach TCM-Symptomen die bei Krankeitsausbruch bestehen können:

Überwiegen von starkem Durst, trockenem Maul, trockener Zunge, evtl. Verstopfung.

In der Regel haben die Inselzellen des Pankreas noch eine weitgehende Funktionsfähigkeit. Kulminationspunkt der Insulinausschüttung nach einer Stunde, nach zwei Stunden beginnender Abfall, nach drei Stunden weiteres Absinken, Blutzucker aber höher als im Nüchternzustand.

Fütterung:

Fettarm, Trockenfutter ist nicht zu empfehlen, dieses erhitzt und trocknet den Körper noch mehr aus (vor allem Produkte bei denen zur besseren Akzeptanz Kochsalz beigefügt wurde). Fettarmes Naßfutter ohne Kohlehydrate (diese sollten bedarfsgerecht und angepasst an die Insulindosis extra beigefügt werden). Fettarme reine Fleischdosen oder Fischdosen, die mit selbst zubereiteten Beilagen gemischt werden. Bei Rohfütterung gewolftes Fleisch verwenden und kurz überbrühen. Fleisch-Innereien Anteil ca. 50 % der Gesamtration, Gemüse ca. 30 % vom Gesamtanteil, Kohlehydrate bis zu 20 % (Menge ist abhängig von der Insulinmenge).

Bedarfsgerechte Nahrungsergänzungen bei selbst zubereiteten Rationen.

 

Überwiegen von Heißhunger, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit der Extremitäten, trockene gerötete Augen, trüber süßlicher Urin, evtl. aggressives Verhalten, meist magerer Körper (Gewichtsabnahme).

Die Inselzellen des Pankreas sind in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Kulminationspunkt der Insulinausschüttung liegt zwei Stunden nach Nahrungsaufnahme, Abfall nach der dritten Stunde, aber Blutzucker höher als beim Nüchternniveau.

Fütterung:

Fettarm, Trockenfutter aus hochwertigen Zutaten wird in einigen Fällen vertragen (ohne Zusatzstoffe, Kochsalz, Rübentrockenschnitzel, pflanzliche Nebenprodukte z. B. Soja, Rohaschewert deutlich unter 6 %), selbst zubereitete, frische Nahrung ist vorteilhafter als Dosennahrung, fettarme Fleisch- Fischdosen gemischt mit selbst zubereiteten Beilagen.

Anteil Fleisch-Fisch 50 %  mit sehr wenig Innereien, Gemüseanteil ca. 15 %-20 %, geringe Mengen geeignetes Obst (maximal 3 %), Kohlehydratanteil ca. 30 % (Fertigflocken meiden). Rohfütterung ist in diesem Stadium weniger geeignet.

Bedarfsgerechte Nahrungsergänzungen bei selbst zubereiteten Rationen.

 

Überwiegen von Müdigkeit, Kraftlosigkeit der Extremitäten, Kurzatmigkeit, Absetzen großer Mengen hellen klaren Urin, vor allem auch nachts, kalte Pfoten und Kälteempfindlichkeit und evtl. auch Ödeme am Körper, Durchfälle besonders am frühen Morgen.

Die Inselzellen des Pankreas arbeiten nicht mehr. Nach der Mahlzeit keine besondere Erhöhung des Blutzuckers aber ständig hoher Anstieg und bleiben auf hohem Niveau.

Fütterung:

Trockenfutter und Fertignahrung ist nicht mehr zu empfehlen. Selbst gekochte Mahlzeiten sind vorteilhafter mit sehr fettarmen Fleisch- Fischsorten. Keine Rohfütterung. In Ausnahmefällen werden noch hochwertige Dosenprodukte vertragen.

Anteil Fleisch ca. 30 % ohne Innereien, Gemüseanteil ca. 30 %, Anteil Kohlehydrate 30 %-40 % (die Menge ist anzupassen an die Insulinmenge).

Bedarfsgerechte Nahrungsergänzungen.

 

FAQ:

Welches Insulin wird vom Tierarzt, der Tierärztin verordnet?

Das für Hunde zugelassene Insulin ist Caninsulin, ein Intermediärinsulin, das sowohl amorphes als auch kristallines Insulin vom Schwein im Verhältnis 3:7 enthält. Das bedeutet 30 % schnell wirkendes Insulin für die Mahlzeiten und 70 % Langzeitinsulin um den Blutzuckerspiegel im Laufe des Tages auf dem gleichen Grundniveau zu halten.

Kann der/die Tierarzt*in ein anderes Insulin verordnen z. B. ein Humaninsulin?

Ja, das ist in Ausnahmefällen möglich, wenn das Caninsulin nicht vertragen wird.

Warum soll ich fettarm füttern?

Fettreiche Nahrung verzögert die Verdauung im Magen. Wenn Ihr Hund Caninsulin erhält hat dieses Insulin einen Anteil von 30 % an sogenanntem “Mahlzeiteninsulin” für die Verdauung das bis zu zwei Stunden nach dem Verabreichen wirkt.  Bei fettreicher Fütterung liegt die Nahrung zu lange im Magen und es kann sein das die Wirkung des “Mahlzeiteninsulins” aufhört bevor die Verdauung beginnt.

Soll ich Caninsulin vor oder nach dem Fressen spritzen?

Immer, nachdem Ihr Hund gefressen hat!

Welche Kohlehydrate sind für Diabetiker Hunde geeignet?

Stärke setzt sich zusammen aus Amylose und Amylopektin. Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Amylose bewirken einen geringeren Blutglukoseanstieg als Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Amylopektin. Vor allem bei Reis gibt es sehr große Unterschiede von den Anteilen Amylose zu Amylopektin der Sorten, was man äußerlich nicht erkennen kann außer man kennt die Reissorte genau. Aus diesem Grund empfehle ich bei Diabetiker Hunden keinen Reis oder Reisflocken.

Unterschiede im Verhältnis Amylose zu Amylopektin gibt es auch bei Kartoffeln, die zu den stärkehaltigen Gemüsen zählen. Hier ist es einfacher zu unterscheiden; in der Regel sind sogenannte “festkochende” Sorten geeignet für Diabetiker Hunde. Kartoffeln sollten ohne Schale und grüne Stellen (Solanin ist für Hunde giftig) in Wasser gekocht werden. Bei Diabetes sollten keine fritierten oder gerösteten Kartoffeln gefüttert werden.

Bitte beachten Sie das die Menge an Kohlehydraten von der Insulinmenge abhängig ist und für jeden Hund individuell errechnet werden muss. Das gilt auch für die Auswahl der Kohlehydrate, generell günstig sind Gerstengraupen, Maisgrieß und Kochdinkel.

Kann ich auch ohne Kohlehydrate füttern?

Wenn Ihr Hund Caninsulin verordnet bekommen hat, NEIN!

Die 30 % Mahlzeiteninsulin im Caninsulin  “transportieren” die Glucose in die Zellen wo diese zur Energiegewinnung benötigt werden. Die Energiegewinnung aus Depotfett des Hundes führt zur gefürchteten Azidose (einer gefährlichen Übersäuerung des Körpers). Zu erkennen am Azeton Geruch (Nagellackentferner riecht auch so) aus dem Maul.

Zu welchen Mahlzeiten müssen Kohlehyrate dazu?

In der Regel verordnet der/die Tierarzt*in 2-mal täglich Caninsulin zu spritzen. Kohlehydrate kommen ausschließlich zu Mahlzeiten mit Caninsulinspritze, in der Regel 2-mal täglich.

Zu allen anderen Mahlzeiten z. B. Zwischenmahlzeiten dürfen keine Kohlehydrate gegeben werden! Die Zwischenmahlzeiten und Leckerlis sollten aus Fleisch, Milchprodukten, Eiern, stärkearmen Gemüsen bestehen. Füttern Sie kein Trockenfutter zwischendurch! Auch im getreidefreien Trockenfutter ist Stärke (meist von Pseudogetreiden oder stärkehaltigen Gemüsen/Pflanzen) verarbeitet.

Wie oft soll der Blutzuckerspiegel meines Hundes kontrolliert werden?

In der Einstellungsphase mehrmals täglich vor den Mahlzeiten und jeweils zwei Messungen nach den Mahlzeiten im Abstand von einer und 2-3 Stunden. Unter Umständen sind Messungen in der Nacht nötig bei Verdacht auf Unterzucker nachts. Bei gut eingestellten Hunden kann nach ca. 6 bis 8 Wochen eine Blutzuckermessung ein bis zwei Stunden nach den Mahlzeiten ausreichend sein. Bei Veränderung der Insulinmenge ist das Futter (Kohlehydratmenge) anzupassen!

Tägliche Messungen und Aufzeichnungen sind äußerst wichtig um die Insulinmenge richtig einzustellen. Gut eingestellte Blutzuckerwerte verlängern die Lebenserwartung Ihres an Diabetes erkrankten Hundes, verhindern/verzögern Folgeerkrankungen (z. B. Nierenerkrankungen)  und steigern die Lebensqualität.

Mit Blutzuckermessungen 1-mal pro Woche oder sogar 1-mal im Monat ist das kaum zu erreichen!

 

Beitragsbild Pixabay CC0 Linzens vor 31.12.2018